13 farbig bedruckte Monatsblätter plus Titelblatt und Übersicht, Verstärkungskarton, hochwertiges Bilderdruckpapier, Format A3 (42,0 x 29,7 cm), Wire-O-Bindung mit Aufhänger D: im Abo: € 17,00, Einzelbestellung: € 18,00 (Inseln +12 €), EU: Abo: € 22,50, EB: 23,50, Schweiz: Abo: € 24,00, EB: 25 € inklusive Verpackung und Porto
The FarRail 2026 monthly calendar contains 15 pages printed in superb quality on heavy paper, size: A3 (42 x 29.7 cm), spiral bound. UK subscription: £16.00, single order £17.00, US & Canada: subscription/single order: US-$30.00/32.00, Australia & New Zealand subscription/single order AU-$51.00/55.00 including p&p

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Dieser Kalender hat zwei Mal den Monat Januar. Nicht, weil das fotografisch einer der schönsten Monate des Jahres ist (ich rede hier nicht unbedingt vom Europa nördlich der Alpen), sondern weil ich die Puristen unter den Fotografen nicht beleidigen möchte. Mir ist bewusst, dass ich mit der neuen Ausgabe des Kalenders einen Shitstorm riskiere, aber ich bin der Verlockung, zwei zeitlich geringfügig versetze Ereignisse zu einem Moment zusammenzufassen, erlegen. Man möge Nachsicht walten lassen und das Titelbild über den Januar hinweg betrachten oder einfach den zweiten Januarbeitrag aufblättern, falls die Aversion gegen die Aufnahme aus Eritrea zu groß sein sollte. Bei Sonderzügen reise ich für gewöhnlich mit in China gekauften Funkgeräten um die Welt, um die Züge zu koordinieren. Diese haben die elffache der in Good Old Germany lizenzfrei erlaubten Sendeleistung, sind aber in Eritreas Hochland sehr hilfreich. Bei Sonderzügen ist die Szenerie ohnehin gestellt, der Zug fährt nur für die Fotografen und diejenigen, die sich an einer Dampfzugfahrt durch die spektakuläre Gebirgslandschaft Eritreas erfreuen. Ob ich der Zugmannaschaft nun eine Minute früher ein „andiamo“ zugefunkt hätte oder eine Minute später, macht kaum einen Unterschied. Von daher hätten sich beide Ereignisse auch gleichzeitig an der genau richtigen Stelle abspielen könne. Dass dies nun elektronisch auf dem Zeitstrahl zurechtgerückt wurde, ist sicher eine Spielerei, und ich bin auf die Reaktionen gespannt. Der bereits öfter erwähnte ORWO UT18 alt (50 ASA) bedarf einer Erläuterung. Das war der Film, auf dem die meisten meiner Farb-Aufnahmen vor 1984 entstanden sind. Dieser Film enthielt mehr Silber, als sein Nachfolger, der UT18 neu. Die Bezeichnung alt und neu gab es auf den Filmpackungen nicht, aber sie waren unterschiedlich in der Gestaltung. Die chronisch klamme DDR, in der ich meine ersten 26 Jahre verbrachte, musste Silber sparen, weshalb dieser neue Film entwickelt wurde. Auch mit ihm ließen sich recht brauchbare Ergebnisse erzielen. Es gab sogar Chargen, die man als wirklich gut bezeichnen konnte. Allerdings, und das war uns damals nicht bewusst, wurden die mittleren und somit besten Streifen einer Charge immer in den Westen verkauft, während die aus den Rändern geschnittenen Filme im Osten verblieben. Zusammen mit der oft suboptimalen Entwicklung führte das beim UT18 alt oft zu Grün- und Ocker-Stichen, wohingegen der UT18 neu zu blau und Lila-Stichen tendierte. Die Farben des neuen Films erschienen dabei meist blasser als die des UT18 alt, zudem erschienen Blaustiche kälter und störender als leicht bräunliche Aufnahmen, und daher versuchte ich, wo immer er noch erhältlich war, den UT18 alt zu kaufen. Teilweise war ein Viertel des heimischen Kühlschranks von Filmen okkupiert. Heute kann man die Farbstiche gut kompensieren, die Körnigkeit der Filme jedoch nur mühsam und Unschärfen fast überhaupt nicht. Gegenlichtaufnahmen waren eine besondere Herausforderung, und nur wenige gelangen wirklich zufriedenstellend. Ich fotografierte daher immer parallel mit zwei Kameras: eine schwarz/weiß, die andere mit Diafilm. Später entwickelte ich auch Diafilme selbst, und wenn man sie 30 Sekunden länger im Farbentwickler ließ, dann waren auch beim UT 18 neu brillante Farben oder aber heftige Farbstiche zu erzielen. Aus filmtechnischen Gründen konnte man davon ausgehen, dass rund ein Drittel aller Aufnahmen heutigen Ansprüchen überhaupt nicht mehr gerecht werden. Manchmal war von ganzen Filmen nicht eine einzige Aufnahme brauchbar, was aber auch, wenn nicht sogar überwiegend, am ungebildeten Fotografen lag. Und das bei Kosten, die das Budget eines Schülers arg strapazierten. Wenn man 8,45 Mark, die so ein Film kostete (plus 2,50 Mark Entwicklung), im Kontext des Preisgefüges und der Einnahmen eines Abiturienten betrachtet, dann kann man vielleicht verstehen, warum man seinerzeit jedes Foto abwägen musste und manchmal eben nicht auf den Auslöser drückte. Aufgrund der geringen Lichtempfindlichkeit arbeitete ich damals oft mit Blenden zwischen 2,8 und 4, um eine ausreichend kurze Belichtungszeit zu erzielen. Ich hatte in jenen Jahren keine besonders ruhige Hand, VR-Objektive waren unbekannt und bei einer 60stel Sekunde war oft Verwacklungsunschärfe ein Problem. Diese lässt sich heute immer noch nicht befriedigend beseitigen. Die Schärfentiefe war gering, und man musste die manuell zu fokussierenden Motive schon sehr genau scharf stellen, damit das Ergebnis erklecklich wurde. Mit dem heutigen Wissen hätte ich ganz anders fotografiert. Das Dilemma der zu spät Geborenen besteht allerdings darin, dass, nachdem sie endlich zu fotografieren gelernt hatten, die ersehnten Motive ausgestorben waren. Und so wird von Jean-Marc Frybourg und mir in unendlicher Puzzlearbeit am Computer versucht, den über die Zeit geretteten, halbwegs brauchbaren Aufnahmen auf unerfreulichem Filmmaterial digital noch etwas abzuringen, was als kalendertauglich gelten könnte. Dazu habe ich kürzlich in eine neue Reproduktionstechnik investiert. Die Ergebnisse sind noch nicht zufriedenstellend, aber wenn es meine Zeit erlaubt, arbeite ich daran. Ich wünsche allen ein gesundes, erfolgreiches und vor allen friedliches 2026! Bernd Seiler |
This calendar has two January leaves. Not because it is one of the most beautiful months of the year photographically speaking (I am not necessarily talking here about Europe north of the The old ORWO UT18 (50 ASA) film, to which I have referred many times previously, requires a little explanation. This was the film on which most of my colour photographs were taken prior to 1984. This film contained more silver than its successor, the new UT18. The terms “old” and “new” did not appear on the film packaging, but the films differed in composition. The chronically cash-strapped GDR, where I spent my first 26 years, had to save silver, which is why this new film was developed. It also produced quite usable results. There were even batches that could be described as quite good. However, and we weren't aware of this at the time, the middle, and therefore best, strips of a batch were always sold to the West, while the outer strips remained in the East. Together with the often less than perfect development, this frequently led to green and ochre casts with the old UT18, whereas the new UT18 tended to have blue and purple casts. The colours in the new film usually appeared weaker than those of the old UT18, the blue casts appearing colder and more annoying than slightly brownish images, so I tried to buy the old UT18 wherever it was still available. At times, a quarter of my refrigerator at home was occupied by films. Today, colour casts can be easily corrected, but it is difficult to compensate for the graininess of the films and almost impossible to get rid of the lack of sharpness. Backlit shots were a particular challenge, and only a few were really satisfactory. I therefore always photographed with two cameras at the same time: one black and white, the other with slide film. Later, I also processed slide films myself, and if you left them in the colour developer for 30 seconds longer, you could achieve brilliant colours or intense colour casts even with the new UT 18. For technical reasons, it could be assumed that around a third of all photographs no longer meet today's standards, or never met them at all. Sometimes, not a single shot from an entire roll of film was usable, but this was not entirely due to the quality of the film that was used but to the inexperience of the photographer. This came at a cost that severely strained a schoolboy's budget. If you consider the 8.45 marks that such a film cost (plus 2.50 marks for development) in the context of the price structure and income of a sixth-form student, then you can perhaps understand why every photo had to be weighed up at the time and why sometimes the shutter button was not pressed. During this period, due to the slow 50 ASA film, I often worked with apertures between 2.8 and 4 in order to achieve a sufficiently short exposure time. I didn't have a particularly steady hand in those days, VR was unknown, and at 1/60th of a second, camera shake was often a problem, which can still not be satisfactorily eliminated today. The depth of field was shallow, and you had to manually focus subjects very precisely in order to get a pleasing result. With today's knowledge, I would have photographed very differently. The dilemma of those born too late, however, is that by the time they finally learned how to take proper photographs, the subjects they longed to photograph had disappeared from the rails. And so, in a never-ending challenge on the computer, Jean-Marc Frybourg and I are trying to digitally extract something from the halfway usable shots that have been recorded over time on less than ideal film material, so that they could be considered suitable for a calendar. To this end, I recently invested in a new reproduction technique. The results are not yet satisfactory, but I am working on it when my time allows. I wish everyone a healthy, successful and, above all, peaceful 2026! Bernd Seiler |
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